Über den pädagogischen Hintergrund von Andrea Nagl
Fokus aller Klassen ist ein somatischer, auf Release und Klein Technique basierender, Zugang. Mein Interesse liegt in tiefgreifender Praxis und einem forschenden, bewusstem Zugang zu Bewegung und Tanz. Jede*r, egal welches Level oder Backgrounds, arbeitet auf dem eigenen Level, erforscht das eigenen Potenzial, gemeinsam in einer Gruppe Gleichgesinnter, ohne Konkurrenz und Leistungsdruck. Momentan (seit 10 Jahren…) beschäftigen mich besonders die Prinzipien von Klein Technique™, die ich intensiv in meinen Unterricht einbringe. Der zweite wichtige Aspekt ist das Bewusstsein über die Notwendigkeit (gerade in Zeiten wie diesen), sich Zeit zu nehmen, Spannungen der äußeren Muskulatur loszulassen. Diese Praxis begleitet mich seit meinem Beginn als professionelle Tänzerin und mein Wissen und meine Erfahrung teilende Trainierende.
ground ・ align ・ release ・ move
„Der von mir unterrichtete Ansatz ist das Resultat langjähriger Erfahrung und eigener Körperpraxis. Der Lehrinhalt wird aus einer körperzentrierten Perspektive vermittelt, wobei ich den Körper als Medium der Erkenntnis nutze. Ich befrage meinen Körper, um herauszufinden, wie ich Inhalte am besten vermitteln kann, sodass ein schneller Lerneffekt sichtbar und spürbar wird. Allerdings ist dies lediglich der Anfang. Die eigentliche Arbeit des Embodiments und der tiefen Integration – ein langsamer, gradueller Prozess – beginnt erst danach. Technisch gesehen geht es darum, überflüssige (Ver)Spannung der äußeren Muskulatur loszulassen, um zu den Knochen zu gelangen. Diese sind das dichteste Gewebe in unserem Körper, sie halten unsere Identität, unser „essential self“ . Indem wir uns „von den Knochen“ bewegen, nutzen wir die skelettnahe Muskulatur, die Tiefenmuskulatur, anstatt die oberflächliche. Muskeln reagieren auf Stress, sie spannen sich leicht an, sie sind „wankelmütig“. Wir wollen eine Schicht tiefer gehen, auf sicheren Grund, auf festen Boden, auf einer verlässlichen Basis stehen.“ (Andrea Nagl)
Andrea Nagl ist seit über 25 Jahren eine Pionierin in der Integration von Release-Techniken und somatischen Ansätzen im zeitgenössischen Tanz und Ballett in Wien. Als Early Adopter dieser Methoden hat sie ihren eigenen Zugang „Release Ballett“ entwickelt – eine spezifische Verschmelzung von Prinzipien der Bewegungseffizienz und Körperlogik aus dem Release-Bereich mit klassischem Ballett.
Ihre Methodik basiert auf intensiver Forschung und eigene Körperpraxis, inspiriert besonders von Klein Technique™, Feldenkrais-Methode und dem pädagogischen Zugang von Zvi Gotheiner, die ihr Verständnis von Körperausrichtung und Bewegung geprägt haben. Schon in ihren frühen 20ern begann sie, diese Ansätze eigenständig zu erforschen und anzuwenden, entgegen dem damaligen Fokus auf Muskelkraft und somit gegen Widerstände vieler ihrer Lehrenden. Wichtige Impulse erhielt sie von zwei Trainingsaufenthalten in NY, sowie zahlreichen internationalen Lehrenden im Rahmen von T JUNCTION und später Tanzquartier Wien. Basis für die Möglichkeit, einen eigenen Zugang zu Ballett zu entwickeln, waren besonders die Ballettklassen von Bettina Schäfer, die ihr mit großer Geduld und Vertrauen Raum und Zeit gab, an neuen Möglichkeiten und Ansätzen zu arbeiten.
„Meine Qualität liegt sicherlich darin, mit offenem Herz auf Augenhöhe zu unterrichten und einen sicheren Raum zu schaffen und zu halten, in dem jede und jeder tiefgreifend forschen, die eigenen Glaubenssätze und Muster hinterfragen und mit der Zeit ändern kann. Ich bin unermüdlich im Suchen nach immer weiteren Hilfestellungen, ich sehe mich als eine Art Hebamme, die den Prozess der Entwicklung und Veränderung ihrer Student:innen ganzheitlich begleitet und unterstützt. In meinen Gruppen gibt es keine Hierarchie und Konkurrenz, jede und jeder forscht und arbeitet auf ihrem Level an den gerade anstehenden Themen, wir nehmen uns die Zeit, die es braucht. So können im Laufe eines Jahres kleine Wunder passieren.“
Die Transformation durch Tanzen reicht in den Alltag, Veränderung passiert nicht nur physisch, sondern tiefgreifend und ganzheitlich. Erfahrensräume öffnen sich, das Körperbewusstsein wächst, die Bewegung wird leichter, fließender, hinderliche Verspannungen verschwinden, die Aufrichtung wird klarer, effizienter und authentischer.
„Es ist für mich immer wieder aufs Neue faszinierend und beglückend zu beobachten, wie sich Menschen durch den Unterricht verändern. Sie werden entspannter und klarer, ihre Bewegung und Haltung werden authentischer. Dabei bin ich nicht die führende Person oder ein Guru. Ich liefere lediglich das Handwerk und die Vorschläge, die Arbeit liegt bei meinen Studierenden.“