Ablauf Performance smART Data BRIDGE Krahuletz
Sieh die Vergangenheit der Zukunft, umarme einen Felsen
„Wissenschaft und Kunst werden durch Körperpräsenz verbunden, dem Unfassbaren wird Sichtbarkeit gegeben, eine Verbindung imaginiert und in einen emotionalen Kontext überführt. In einer verwobenen Spur wird das Trennende von Millionen Jahren Zeit und entfernten Räumen aufgeweicht und unscharf gemacht, Vergangenheit und Zukunft im Moment der Gegenwart vereinigt.“

Aus dem Kreislauf der Gesteine (bis heute)
Das auf der Erde vorhandenen Gesteinsmaterial geht weder verloren noch kommt neues hinzu.
Es befindet sich vielmehr in einem ständigen, Jahrmillionen dauernden Kreislauf von Werden und Vergehen. Jedes Gestein, das uns auch ewig erscheinen mag, verwittert, wird transportiert, schließlich wieder verfestigt. Manchmal gelangt es bei Gebirgsbildungen in große Tiefen, wird dort durch hohen Druck und hohe Temperaturen umgewandelt und teilweise auch aufgeschmolzen, bevor es nach langer Zeit wieder an die Oberfläche gelangt und der Kreislauf von neuem beginnt.
Vulkanismus, erstarren, Dauer, Verwitterung, Transport, Verfestigung, Versenkung.
Variszisches Gebirge (Gebirgsbildung vor ca. 400-300 Millionen Jahre)
Nach der Cadomischen Gebirgsbildung am Nordrand des großen Südkontinents Gondwana löste sich im Ordovizium der Mikrokontinent Avalonia von diesem ab und driftete nach Norden. Nachdem er mit Baltica kollidiert war, vereinigte er sich weiter mit Laurentia sodass Laurussia entstand. Später folgte auch Armorica, dicht gefolgt von Gondwana. Durch die Kollision der Platten im Karbon entstand der Superkontinent Pangäa und in der Kollisionszone faltete sich das Variszische Gebirge auf. Kaum entstanden, wurde es wieder abgetragen. In tektonischen Gräben überdauerten die Sedimente dieser Zeit bis heute. Ein Beispiel dafür sind die Sandsteine und Konglomerate am Heiligenstein bei Zöbing.
Weg der Terrane, Kollision, Gebirgsfaltung, Abtragung, Transport, Aspekte einer Metamorphose.

Eggenburger Bucht (vor rund 20 Millionen Jahren)
Die Gesteine der Böhmischen Masse am Rande des Waldviertels bildeten vor 20 Millionen Jahren die Küstenlinie des Eggenburger Meeres. Sie ragten als Inseln und Halbinseln aus dem flachen Meer. Aus den Sedimenten und Fossilien dieses Meeres lassen sich die verschiedenen Ablagerungsräume des damaligen Meeres rekonstruieren. Brandungsgeröll und Kies kennzeichnen den ehemaligen Strand, feinere Sande und Schlamm die etwas tieferen Bereiche.
In der geschützten Eggenburger Bucht lebten Herden von Seekühen. Ein Tsunami zerstörte die Seegraswiesen und damit ihre Lebensgrundlage. Fossile Überreste dieser Katastrophe wurden von Wissenschaftlern ausgegraben und sind nun im Krahuletz-Museum ausgestellt.
Überschiebung des Moldanubikums auf das Moravikum (als die zwei geologischen Einheiten des Waldviertels)infolge der Variszischen Gebirgsbildung, die Böhmische Masse als Küste im Miozän, Eggenburger Bucht und Meer: Brandungsgeröll, Sand, Schlamm; Seekuh, Tsunami, eingeregelt werden, Zerfallen des Skeletts, ausgegraben werden, dem Untergrund entrissen, in Kisten verpackt.

Moldavit (vor rund 15 Millionen Jahren)
Der Einschlag eines Asteroiden im heutigen Bayern hinterließ den Krater im Nördlinger Ries.
Die Gesteine im Einschlagsgebiet wurden geschockt, komprimiert, verflüssigtoder sogar verdampft. Zu Gesteinsglas aufgeschmolzene Teile wurden in die Luft geschleudert, erstarrten während des Fluges und fielen hunderte Kilometer entfernt als Tektite zu Boden. Heute findet man diese grünen Gläser des Ries-Impakts als Moldavite in Tschechien, aber auch im Waldviertel.
Geschockt, komprimiert, in die Luft geschleudert, erstarrt, auf den Boden fallen.

Krallentier (vor rund 11 Millionen Jahren)
Vor etwa 11 Millionen Jahren durchquerte die Ur-Donau das Weinviertel als riesiger, weit verzweigter Strom. In den Auwäldern entlang der Ur-Donau lebten zahlreiche Tiere wie das dem Riesenfaultier ähnliche Krallentier. Die Sedimente, die der reißende Fluss zunächst im Quellgebiet und im Oberlauf abtransportierte, lagerte der nun träge fließende Strom zur Mündung hin wieder ab. Aus den großen, kantigen Felsblöcken wurden gerundete Schotter, Kiese und Sande.
Der rekonstruierte Gang des Krallentiers, die Ur-Donau von der Quelle bis zur Mündung.

Windkanter (vor 30.000)
Am Ende der Variszischen Gebirgsbildung, als das Magma des Eisgarner Granits, ein Teil des Südbömen Plutons, bereits erkaltet und erstarrt war, drang erneut Gesteinsschmelze aus der Tiefe in Klüfte und als Gänge in das Gestein ein. Viele Millionen Jahre später gelangte der Eisgarner Granit nahe an die Oberfläche und verwitterte zu grusigen Sand, während die widerstandsfähigeren und festeren Ganggesteine in der Umgebung der Verwitterung trotzten.
In den Eiszeiten, als die Gesteine bereits an der Oberfläche lagen, wurden die Blöcke der Ganggesteine in der eisfreien Kältesteppe des Waldviertels durch die starken eiszeitlichen Winde wie mit einem Sandstrahler von den Sanden abgeschliffen und zu Windkantern geformt.
Ein Vortrag über die Entstehung von Windkantern im Raum Litschau, angefangen bei der Kollision von Gondwana und Laurussia. Eindringen von Gesteinsschmelze entlang von Klüften in den bereits erstarrten Eisgarner Granit. Während der umgebende Granit verwittert, bleibt das festere Ganggestein als Blöcke erhalten, wird jedoch von den Sand transportierenden eiszeitlichen Winden zu Windkantern abgeschliffen. Gletscherfließen oder Bodenkriechen.

Knochenflöte (vor rund 20.000 Jahren)
In der Altsteinzeit lebten die Menschen mit und von den Tieren in ihrer Umgebung, wie Mammut und Rentier. Die Tiere waren nicht nur Nahrungsquelle, ihre Felle schützten auch vor Kälte und aus ihren Knochen wurden Werkzeuge hergestellt. Von einem gejagten Tier wurde alles genutzt und zu verschiedenen Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Besonders sind Funde die uns die Kunst dieser Menschen erahnen lassen. Ein Beispiel dafür ist die im Krahuletz-Museum ausgestellte Flöte aus einem Rentierknochen, die in der rund 20.000 Jahre alten Rentierjägerstation im Grubgraben bei Kammern gefunden wurde.
Bauen eines Hauses aus Mammut-Stoßzähnen, Spielen auf der Knochenflöte.

Gespräch Tanz & Geologie
Im Anschluss an die Performance gab es ein Publikumsgespräch zum Thema Tanz und Geologie sowie den Prozess der wissenschaftlichen Aneignung und künstlerischen Verkörperung zwischen Andrea Nagl und dem das Projekt begleitenden Geologen Reinhard Roetzel.

Mehr Fotos auf flickr:
Fotos von der Eröffnung / Premiere und Finissage des Projekts smART Data BRIDGE Krahuletz im Krahuletz-Museum Eggenburg von Marcus Josef Weiss
… -> Vollständiger Mitschnitt der Performance (Finissage)
