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[t = Stein]
Performance – Konzert – Installation – Ausstellung
Live Performance am 3. Juni 2025,
Ausstellung geöffnet bis 3. Juli 2025
Kunstraum EWIGKEITSGASSE, WienKonzeption & Idee: Heimo Fladl, Andrea Nagl
Performance: Helga Hafner, Percussion, Glockenspiel;
Rita Schiller, Akkordeon;
Herbert Lacina, Piano; Heimo Fladl, Saxophon u. Percussion;
Andrea Nagl, Tanz
Fotos: nagl~wintersberger

Horizontale Bewegung trifft auf vertikale Gravitation: das kontinuierliche Rauschen geologischer Prozesse steht im Kontrast zu punktuellen Einschlägen/Ereignissen
Im Zentrum: die Installation „t“ als Schnittpunkt zweier Kräfte und Zeiten. Die Dauer der Fläche wird unterbrochen durch fallende Steine – Zentralgneis, gesammelt in den Zillertaler Alpen.
Auch die Musiker:innen orientieren sich an diesem Spannungsfeld: Fläche und Impuls, Rauschen und Ereignis/Einschlag. Eine Tänzerin verkörpert den Moment im Raum. Der Körper wird zum Seismografen – zwischen Spannung und Stillstand, Gravitation und Aufrichtung, Erdung und Bruch.Eingerahmt wird das Live-Event von einer Ausstellung mit Fotografien von nagl~wintersberger, aufgenommen entlang der Dreiländer Tour am Alpenhauptkamm. Inspiriert von der Unmittelbarkeit des Gesteins wird der Körper selbst zum Träger geologischer Prozesse – Zeugenschaft und Material zugleich (Nacktes Gestein). In Geschiebekörper | variscan bound erweitert sich diese Praxis des „embodied research“ um ein Fragment Weinsberg-Granit – ein ferner Verwandter aus der variszischen Gebirgsbildung, der einer Reliquie gleich durch die Landschaft getragen wurde. Im weiten Vorfeld des schmelzenden Gletschers begegnen sich Körper und Stein – zwei Archive, die sich begegnen, berühren, und für einen Moment ihre Zeitachsen ineinander falten.
Ausstellung von nagl~wintersberger (Andrea Nagl, Markus Wintersberger)
In der Vielzahl von Naturbetrachtungen aus der unerschöpflichen Ressource unserer Welt, fällt meine Aufmerksamkeit auf das Gestein. Das Gestein trägt, hält, (ver)fällt und ermöglicht einen vertiefenden Blick in die Zeit. Zeitmaß wird Steinmaß, verdichtet sich in der Annäherung zu einem aktiven Gegenüber, einem Tanzpartner im Gefolge einer sich verinnernden Beziehung. Sehnsucht wird Ankunft, Erinnerung verformt Vergangenheit – Sediment aus Zufall und Verwitterung.
Der Stein als Gebirge und Untergrund, als Fundstück und Reliquie gibt den Weg vor, die Zeit hinkt hinterher. Nicht der Stein fällt ins Gewicht, nur die Gravität bedeutet dessen Richtung.
Die Fotos im Hauptraum entstanden im Sommer 2024 entlang der Dreiländertour am Alpenhauptkamm.
Das Triptychon Geschiebekörper | variscan bound bezieht sich auf das geologische Verwandtschaftsverhältnis der Gebirgslandschaft aus Zentralgneis und einem kleinen Fragment Weinsberg Granit aus dem Waldviertel, das einer Reliquie gleich durch die Landschaft getragen wurde. Beide haben ihre Wurzeln in der variszischen Gebirgsbildung vor ungefähr 300 Millionen Jahren. In der Weite des Gletschervorfelds begegnen sich Körper und Stein – zwei Archive, die sich berühren, und für einen Moment ihre Zeitachsen ineinander falten.
Die Bewegungs-Choreografien der Serie Nacktes Gestein basieren auf einer tänzerischen Forschung zur Verkörperung geologischer Prozesse wie Verwitterung, glaziale Erosion, Dauer oder nacktes Gestein. Im Gelände, zusätzlich inspiriert von der Unmittelbarkeit der Oberflächenformen, wird der Körper zum Zeugen und Material, Teilhaber und Ausdruck zugleich.
Die Schulung des „Steinsinns“ (Novalis) im embodied research und geological embodiment.

Die Bilder im Nebenraum entstammen der Serie Randnotizen aus dem Ausstellungsprojekt Randnotizen oder die Auflösung der Wunderkammer von nagl~wintersberger in der Galerie Lindenhof, Raabs an der Thaya, im Rahmen des Wald/4-Festival Niederösterreich 2023.
Im Fokus steht die Neukontextualisierung und Aufwertung der ungeliebten Lesesteine aus Äckern im Waldviertel. Stein wird zur Maske und Hülle, zum „Steintlitz“, zur Steinwerdung der Zeit, wird – sedimentiert, zerfallen und umgewandelt – als kostbares Gut der Forschung getragen oder schwebt schwerelos durch die Tiefe des Schwarzraums.
Andrea Nagl © 2025
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