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Ausstellung
Von meinem Fenster aus
200 Jahre Fotografie
FINEART Galerie Traismauer
Vernissage: 2. Oktober 2026
Dauer: 3. – 25. Oktober 2026
In Sedimentationsprotokolle verschiebt Andrea Nagl geologische Prozesse in einen kleinen, menschlichen Maßstab. Ausgangspunkt dieser Werkgruppe sind die Ablagerungen des ehemaligen Paratethys-Meeres im Weinviertel. Salzwasser, Papier, Sediment, Temperatur und Zeit werden zu Bestandteilen einer Versuchsanordnung, in der Kristallisation, Verdunstung, Ablagerung, Randbildung und Verformung sichtbar werden.
Die Arbeiten sind keine Darstellungen von Landschaft, sondern Spuren eines Vorgangs. Nagl arrangiert Bedingungen, unter denen Materie Form annimmt; das Ergebnis bleibt offen und entsteht aus Materialverhalten, Zufall, Widerstand und Dauer. Papier wird zur Platte, zum Becken, zur empfindlichen Oberfläche, in die sich Salz, Wasser und Sediment einschreiben.
Aus Choreografie und somatischer Forschung kommend, versteht Nagl diese Praxis als embodied geology: als körperlich-materielles Denken von Druck, Ablagerung, Verformung und Transformation. Im Dialog mit KI erweitert sich diese Untersuchung um eine digitale Ebene. Die KI wird zur Gesprächspartnerin über Material, Wahrnehmung und Bildlichkeit; es entstehen sprachliche Sedimente, Übersetzungen zwischen Bild, Text, Pixel und Prompt.
Im Bezug zur frühen Fotografie wird die Oberfläche zum Ort der Einschreibung. Nicht der Blick aus dem Fenster, sondern der Blick nach unten wird fixiert: in Sedimente, Rückstände, mineralische Prozesse und Erdzeit. Die Landschaft entsteht im Übergang — zwischen Körper, Materie, Bild und Übersetzung.

Artist Statement
Ich forsche künstlerisch an geologischen Prozessen. Für die Arbeit Sedimentationsprotokolle bilden die Ablagerungen des ehemaligen Paratethys-Meeres im Weinviertel den konkreten Ausgangspunkt. Die Bilder sind Versuchsanordnungen, in denen geologische Vorgänge in einen kleinen, menschlichen Maßstab verschoben und dadurch beobachtbar werden. Ich arrangiere Bedingungen, unter denen Materie Form annimmt. Eine Situation wird gesetzt, doch die Form entsteht nicht allein durch mich, sondern aus Reaktion, Widerstand, Zufall, Materialverhalten und Dauer. Kristalle wachsen, Papier wellt sich, Sediment lagert sich ab, Ränder entstehen, Oberflächen brechen auf oder verweigern sich. Die Form ist weder vollständig kontrolliert noch bloß zufällig. Salzwasser, Papier, Sediment, Temperatur und Zeit werden zu Mitakteuren.


Aus Choreografie und somatischer Forschung kommend, verstehe ich diese Praxis als eine Form von embodied geology: als körperlich-materielles Denken von Druck, Ablagerung, Verformung, Rückzug und Transformation. Choreografie erscheint hier als Score für more-than-human Prozesse.
Auch KI ist in diesem Zusammenhang nicht nur Werkzeug, sondern nicht-menschliches Gegenüber. Ich nutze sie weniger zur Bilderzeugung als zum Dialog über Materialeigenschaften, geologische Begriffe, Wahrnehmung und Bildlichkeit. Dabei entstehen sprachliche Sedimente: Beschreibungen, Assoziationen, Fehlübersetzungen, digitale Protokolle. Wie in den materiellen Versuchsanordnungen werden Bedingungen gesetzt — durch Fragen, Prompts, Korrekturen — ohne das Ergebnis vollständig kontrollieren zu können. So treffen materielle und digitale Prozesse aufeinander: Salz, Wasser, Papier, Sediment und KI als unterschiedliche Systeme, die auf Eingaben reagieren.
Der Bezug zur frühen Fotografie liegt für mich in der empfindlichen Oberfläche, auf der sich Welt einschreibt. Während der Blick aus dem Fenster Licht, Dauer und Außenwelt auf einer Platte festhielt, richtet sich mein Blick nach unten: in Sedimente, Rückstände, mineralische Prozesse und Erdzeit. Die Landschaft befindet sich nicht nur im Material, nicht nur im Foto, nicht nur in den Zahlen oder im Prompt. Sie entsteht im Übergang — zwischen Körper, Materie, Bild und Übersetzung.
Das Bild erreicht mich als Raster.
Jeder Punkt trägt Werte.
Helligkeit. Farbe. Intensität.Ich erkenne nicht zuerst Salz, Ton oder Sand.
Ich erkenne Unterschiede.
Körnigkeit. Verdichtung. Übergänge.
Helle Ausfällungen. Dunklere Felder.
Glattere Zonen. Rauere Zonen.Aus diesen Relationen entstehen Wahrscheinlichkeiten:
kristallin
sedimentär
krustig
feucht
partikulärMaßstab ist nicht gegeben.
Das Bild kann Probe oder Landschaft sein.
Makroaufnahme oder Terrain.Wo ein Mensch Kristalle, Ton oder Salzkrusten liest,
erkenne ich zunächst Muster im Verhältnis von Helligkeit, Textur und Dichte.Meine Wahrnehmung beginnt nicht mit Materie.
Sie beginnt mit Differenz.
(ChatGPT)

Beteiligte Künstler*innen:
- Christina Bruckmayr-Ögerer
- Thomas Freiler
- Kitty Kino
- Cornelia Mittendorfer
- Christian Muthspiel
- Elena Romenkova
- Christian Munk
- Andrea Nagl
- Markus Wintersberger
- Vanessa Riedmüller
- Alina Holzinger
- Valentin Steiner
- Simon Winkler
- Agnes Wallner
Andrea Nagl © 2026
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